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BLICKWINKEL

Palmengarten Historisch

Dr. Hilke Steinecke und Dr.Matthias Jenny über den Palmengarten in Frankfurt am Main, in dem eine unvorstellbare Vielfalt von Pflanzenarten gehegt und gepflegt wird. Im Palmengarten gedeihen auch Nutzpflanzen, die wir aus der Küche kennen und die beliebte Gewürze liefern.

Als im Jahr 1866 Preußen das Herzogtum Nassau annektierte, geriet der Pflanzenliebhaber Herzog Adolph v. Nassau in Geldnot. Er musste seine berühmte Pflanzensammlung aus seinem Schlosspark Biebrich (Wiesbaden) verkaufen. Der Kunst- und Handelsgärtner Heinrich Siesmayer machte sich für den Erwerb dieser Pflanzensammlung für Frankfurt stark. Es wurde eine Aktiengesellschaft gegründet, die das Kapital für den Pflanzenerwerb zusammenbrachte. Die Biebricher Exoten waren der Grundstock für die ersten Pflanzensammlungen des Palmengartens. Die Stadt überließ das benötigte Gelände. Der Park wurde von Siesmayer im Stil eines englischen Landschaftsgartens gestaltet. 

Das 1869 errichtete Palmenhaus mit angrenzendem Gesellschaftshaus ist das Herzstück des Palmengartens. Das Gewächshaus aus Stahl kommt ohne tragende Säulen aus, damals eine architektonische Sensation. Im Gesellschaftshaus wurden rauschende Bälle gefeiert, unter den Palmen konnte man flanieren. Bis 1931 lag der Palmengarten in den Händen der Aktiengesellschaft, bis diese den Unterhalt nicht mehr aufbringen konnte, sodass die Stadt Frankfurt ihn übernahm. Den Zweiten Weltkrieg hat der Palmengarten ohne bedeutende Schäden überstanden, das originale Palmenhaus ist noch erhalten.

In den 1980er Jahren wurde der Garten grundlegend umgestaltet, die alten Gewächshäuser wurden ersetzt und das Tropicarium gebaut. In den Häusern der feuchten und trockenen Tropen kann man tropische Pflanzen aus aller Welt, von der Wüste bis zum Regenwald, erkunden. Regelmäßig vermitteln Führungen, Vorträge oder Ausstellungen spannende Aspekte zu gärtnerisch-botanischen oder ökologischen Themen. Im Palmenhaus fühlt man sich wie in einem Dschungel. Wasserfall, Baumfarne, Bananenstauden und viele verschiedene Palmen lassen vergessen, dass wir uns in Mitteleuropa befinden. Das Tropicarium mit seinen sternförmigen Häusern ist so großzügig konzipiert, dass der Eindruck einer tatsächlichen Tropenlandschaft mit entsprechenden Pflanzen entsteht.

Von vielen tropischen Gewürzen, die wir regelmäßig in unserer Küche verwenden, kennen wir zwar die würzenden Bestandteile, oft aber nicht die dazugehörigen Pflanzen. Diese können in den Gewächshäusern des Palmengartens bestaunt werden. Je nach Gewürz werden unterschiedliche Teile der Pflanzen verwendet: Vom Zimt die Rinde, vom Ingwer der Wurzelstock oder vom schwarzen Pfeffer die Früchte. Auf jeden Fall ist ein Besuch der Frankfurter Tropen ganzjährig sehr abwechslungsreich.

Dr. Hilke Steinecke ist Kustodin des Frankfurter Palmengartens und zudem zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Dr. Matthias Jenny ist Leiter der Institution. Weitere Informationen zu Angebot und Programm gibt es unter www.palmengarten.de.

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