Matthias Enste
© BRAIN AG
21. September 2020

Enzym-Formulierer mit Platz für mehr

News & Views hat Matthias Enste, Geschäftschäftsführer der WeissBioTech GmbH, in seiner neuen Produktionsstätte in Büttelborn besucht.

Seit 2014 ist die WeissBioTech GmbH (WBT) Mitglied der BRAIN-Gruppe. Im Juli 2020 hat die BRAIN AG die letzten Minderheitsanteile gekauft, entsprechend ist das Unternehmen jetzt eine hundertprozentige BRAIN-Tochter. Für Geschäftsführer Matthias Enste bedeutet das schnellere Entscheidungswege und die Möglichkeit, noch enger zusammenzuarbeiten. Der Diplom-Braumeister und Diplom-Betriebswirt leitet seit November 2019 die Geschäfte des Unternehmens überwiegend vom Standort Büttelborn aus.

Herr Enste, ganz schön viel Platz hier bei Ihnen! Wie groß ist die Fläche hier am neuen Produktionsstandort?

Ja, in der Tat, Platz haben wir reichlich, insgesamt sind es ungefähr 4400 qm Fläche, auf denen wir uns in den letzten Monaten ausgebreitet haben.

Was genau passiert hier?

Hier in Büttelborn sind seit ein paar Monaten Produktion, Lager, Qualitätskontrolle und Entwicklung der WBT angesiedelt. Diese Abteilungen wurden erfolgreich von unserer Basis in Frankreich nach Büttelborn verlegt. Verwaltung, Finanzen, Einkauf etc. sind an unserem Standort in Ascheberg geblieben.

Was genau wird hier produziert?

Produzieren heißt in unserem Fall: Wir formulieren und mischen Enzymprodukte, die wir von unseren globalen Partnern gekauft haben oder die in unserem Auftrag hergestellt wurden, stabilisieren und standardisieren sie und füllen sie in Behälter ab. Wir sind also ein sogenannter „Formulierer".

Das hört sich jetzt nicht so kompliziert an. Täuscht das?

Es hört sich einfach an, aber in Wirklichkeit ist es komplizierter, als es aussieht. Die Qualitätsstandards in unserer Branche sind extrem hoch, und die Fähigkeit, schnell auf Herausforderungen reagieren zu müssen, macht das Ganze noch komplexer. Wir konzentrieren uns darauf die spezifischen Probleme oder technischen Prozesse des Kunden gründlich zu verstehen. Dies ermöglicht es uns, in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden maßgeschneiderte Lösungen zu liefern. Unsere Vertriebsmitarbeiter sind daher "technische Verkäufer": Jeder Kundenprozess ist einzigartig, und wir sind dazu da, unsere Kunden zu beraten, um die beste Lösung für ihren Prozess zu finden.

Neben Lager, Produktion und Abfüllung gibt es hier auch ein Labor. Was passiert dort?

Das Labor brauchen wir in erster Linie für die Rohstoffeingangskontrolle bzw. für die Qualitätskontrolle unserer fertigen Produkte. Hier findet hauptsächlich chemisch-physikalische Analytik statt, wir testen also z.B. ob die Enzyme die Aktivität haben, die sie haben sollen oder ob der pH-Wert stimmt und im Rahmen unserer Spezifikation liegt. Die mikrobiologische Analytik haben wir an einen Dienstleister ausgelagert.

In welcher Form kaufen die Kunden die Enzymprodukte?

Wir produzieren überwiegend in flüssiger Form, da die meisten unserer Industriekunden diese bevorzugen. Die Flüssigprodukte sind bei ordnungsgemäßer Kühlung dann normalerweise zwei Jahr haltbar. Für bestimmte Nischenanwendungen bieten wir auch eine Reihe von Pulverprodukten an.

Wer genau sind Ihre Kunden?

Wir verkaufen an Kunden und Händler auf der ganzen Welt und konzentrieren uns ganz klar auf den Aufbau langfristiger Kooperationsbeziehungen mit diesen Kunden.

Können Sie Einsatzmöglichkeiten der WBT-Produkte nennen?

Unsere Enzyme und biotechnologischen Hilfsstoffe verkaufen wir vor allem an die Lebensmittel- und Bioethanolindustrie. Stärke bzw. Stärke-Derivate bieten zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für unsere Enzyme. Bei der Bioethanolgewinnung wird z.B. stärkehaltige Biomasse mit aufeinander abgestimmten DELTAZYM®-Produkten enzymatisch aufgeschlossen. Das Besondere dabei ist, dass unsere Kunden beim Einsatz bestimmter WBT-Enzyme sonst übliche chemische Behandlungsschritte ersetzen können. Wenn sie z.B. unsere pH-resistenten Enzyme einsetzen, müssen sie keine Laugen oder Säuren mehr zuzugeben, um ein exaktes pH-Optimum für das Enzym herzustellen.

Auch im Herstellungsprozess von Lebensmitteln in der Milch- und Fleischindustrie kommen unsere Enzyme zum Einsatz. Im Getränkesektor bieten wir komplette Enzymsortimente zur Herstellung von Wein, Bier, Trinkalkohol sowie zur Obst- und Gemüseverarbeitung an. So liefern wir weltweit z.B. unsere Enzyme der NATUZYM®-Serie, die ein breites Spektrum an Anforderungen bedient. Diese Enzyme werden permanent weiterentwickelt und sind gentechnikfrei, so dass sie auch zur Herstellung von BIO-Lebensmitteln verwendet werden dürfen.

Ob Saft oder Konzentrat, klar oder trubstabil, Kernobst oder exotische Früchte – alle diese Anwendungen lassen sich mit NATUZYM®-Enzymen abdecken. Selbst bei Nischenprodukten wie Gemüsepürees bzw. organisch hergestellte Fruchtzubereitungen kommen unsere NATUZYM®-Produkte zum Einsatz.

Als diplomierter Braumeister haben Sie bestimmt auch für Brauereien etwas im Portfolio…

Ja, das Thema liegt mir natürlich auch am Herzen… Für die Bierindustrie haben wir Produkte, die die Stabilität des Herstellungsprozesses verbessern und gleichzeitig die Ausbeute und die Qualität steigern. In Bieranwendungen können Enzymprodukte z.B. zur Erleichterung der Verflüssigung, Verzuckerung und Filtration eingesetzt werden. Unser fachkundiger technischer Service steht den Brauereien hierzu beratend zu Seite.

Sie selbst sind Braumeister und Betriebswirt, also kein „Enzymer“. Woher kommt die Enzym-Expertise bei der WBT?

In unserer kleinen, aber feinen Runde – wir sind insgesamt knapp 20 Mitarbeitende – arbeiten u.a. Biologen, Lebensmitteltechnologen und andere Experten, die sich auf Enzyme spezialisiert haben. Eine unserer Mitarbeiterinnen hat vor Jahren zum Thema Enzyme in der Frucht- und Gemüseprozessierung in einem Standardwerk* publiziert. Sie bringt ihre Expertise als QM-Verantwortliche bei der WBT ein. In schwierigen Fällen können wir auf die Kollegen und Kolleginnen in der BRAIN-Gruppe zurückgreifen, denn unter ihnen befinden sich viele „Enzymologen“ und Mikrobiologen.

Wo gibt es Schnittpunkte der WBT zu den anderen Mitgliedern der BRAIN-Gruppe?

Falls wir in unserem Portfolio nicht direkt die Lösung für eine Anfrage anbieten können, wenden wir uns gerne an unsere Kollegen z.B. bei Biocatalysts oder bei der BRAIN AG. Dann kann eine individuelle Entwicklung unter Umständen die beste Lösung sein. Daher pflegen wir innerhalb der BRAIN-Gruppe einen intensiven Austausch und können bei entsprechenden Anfragen bzw. Projekten von der Entwicklung eines Produkts im Labor bis hin zur Produktion im industriellen Maßstab sozusagen die gesamte Wertschöpfungskette anbieten. Hier nutzen wir natürlich Synergien; so verkaufen wir bei WBT jetzt beispielsweise eine von der BRAIN AG entwickelte Hefe, die ein globaler Getränkehersteller als Starterkultur ausgewählt hat für eines seiner auf Fermentation basierenden Getränke.

Was steht bei Ihnen im Unternehmen als nächstes an?

Gerade haben wir die Zertifizierung nach ISO 9001 vollzogen. Aktuell arbeiten wir an der ISO 22000-Zertifizierung; die wollen wir bis Ende des Jahres abgeschlossen haben.

Zum Schluss eine eher persönliche Frage an den Braumeister: Das Home-Brewing ist derzeit sehr en vogue – auch bei Ihnen zu Hause?

Leider fehlt mir dazu ein bisschen die Zeit. Daher greife ich auf das marktübliche Angebot zurück, aber vielleicht in ein paar Jahren…

*Enzymes in Food Technology, Second edition (2009). Editor(s): Robert J. Whitehurst, Maarten van Oort. Print ISBN:9781405183666. Online ISBN:9781444309935. DOI:10.1002/9781444309935

Die WeissBioTech GmbH mit Hauptsitz in Ascheberg bei Münster und einer Produktionsstätte in Büttelborn bei Darmstadt ist einer der führenden Anbieter im Bereich Enzymprodukte, Hefe-Starterkulturen, natürliche Konservierungsmittel und andere fermentativ hergestellte Produkte für die Lebensmittelindustrie und andere Marktsegmente. WeissBioTech bedient neben internationalen Großkonzernen auch mittelständische Hersteller von Fruchtsäften, Bier und Wein. Zum etablierten Kundenkreis zählen zudem die Stärke verarbeitende Industrie und Bioethanol-Hersteller. WeissBioTech wurde 2002 gegründet und ist seit 2014 Mitglied der BRAIN-Gruppe.

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